Genital global: Cyberkrieg im Schlafgemach

... oder in der Küche. Oder im Taxi. Oder wo sonst man Toys nutzt, um Dampf abzulassen. Es gibt Modelle, die sich über das Internet steuern lassen. Für die Bedienung werden Smartphone-Apps genutzt, die im Ökosystem des Appoogle-Duopols verfügbar sind.

Die Toys werden via Bluetooth mit dem Smartphone verbunden und die Smartphones der Spielpartner kommunizieren über eine Online-Plattform des Toy-Herstellers. Wer das jetzt für eine schlechte Idee hält: Applaus, Problem verstanden, ihr könnt hier aussteigen.

Alle anderen schnappen sich einen Schnaps und lesen weiter. Die folgende Fallbeschreibung, selbstverständlich auf hochrealen Ereignissen basierend, ist hinsichtlich der Datenschutzproblematik weder technisch noch inhaltlich abwegig.

La Meuse

Wir betrachten für unseren Fall exemplarisch die ficktiefe Glücklichmacherin für Herren, Trucker und Diverse, die über einen funktionstüchtigen Phallus verfügen und denen es nach der Simulation eines weiblichen Genitals gelüstet. Diese Glücklichmacherin wollen wir liebevoll La Meuse nennen.

La Meuse umschließt das männliche Genital kraftvoll und lebensecht, lässt sich stufenlos hinsichtlich Vibration sowie Wärme regulieren und wird feucht, dank Einspritzdüsen und nachfüllbarem Gleitgel-Reservoir. Zudem ist eine Funktion integriert, die der Wirkungsweise eines Penisrings ähnelt - zum Zwecke der Erektionsoptimierung. Schlussendlich finden sich für alle Freunde schmerzhafterer Stimulation im tieferen Bereich von La Meuse rundum nadelartige Stifte, die stufenlos aus- und eingefahren werden dürfen.

Sämtliche Features können sowohl vom lokalen Handy des Anwenders als auch vom entfernten Smartphone des Partners bedient werden. Toll für Paare, die eine Fernbeziehung führen, wenn die Partner jeweils am anderen Ende der Welt wohnen, sich überhaupt nie persönlich kennengelernt haben und eine Remote-Only-Beziehung pflegen. Oder weil eine Pandemie Social oder gar Sexual Distancing einfordert.

So im Alltag funktioniert La Meuse prächtig. Die Nachbarn staunen, zu welchen Höhenflügen der Einsiedler-Nerd fähig ist, während er lautstark schmutzige Dialoge scheinbar mit sich selbst führt. Aber dann, eines unerwarteten Tages: Ein GELLENDER, MARKERSCHÜTTERNDER LAUT DES SCHMERZES. Als ob Millionen Nervenzellen in panischer Angst aufschreien und plötzlich verstummen.
Es riecht auch etwas verbrannt und der Feuermelder in der Nerd-Küche kreischt. Um Himmels Willen, was ist geschehen???

Der Höhepunkt

Der Pillermann des Nerds wurde in folgender Reihenfolge spezialbehandelt, von entfernter Stelle:

Nun war die entfernte Stelle, die La Meuse gesteuert hat, nicht der eigentliche Sexual-Partner, von dem wir annehmen, dass er keine niederen Absichten hegte. Stattdessen wurde die Plattform des Toy-Herstellers gehackt und die Fernsteuerung des Toys von einem malignen Akteur übernommen, der die Kontrolle über seinen sadistischen Trieb verloren hat.

Neben dem körperlichen Schaden ereilt den Nerd noch weiteres Unglück: Der Hacker hat sich auch der personenbezogenen Daten bemächtigt, aus denen Kontodaten, Kontaktdaten, Zugangsdaten und ein Persönlichkeitsprofil hervorgehen. Das Persönlichkeitsprofil entstand im Rahmen eines "Konfigurators", der dem Kunden die Möglichkeit gab, seine Vorlieben und Abneigungen einzugeben, damit optimale Empfehlungen für Toys zusammengestellt werden können.

Problematisch auch, dass die Chatfunktion der Fernsteuerungs-App sämtliche schlüpfigen Inimitäten preisgeben, die zwischen den Partnern ausgetauscht wurden.

Und was macht man mit einem solchen Datenschatz? Natürlich SEXTORTION!!111 Die Nachbarn - sowohl jene des Versehrten als auch die des Partners - erhalten in den nächsten Tagen Post vom Hacker, wenn der nicht innerhalb von 48h 3,45 neue Bitcoin in seinem Wallet findet.

THE BLOODY END!

Eine etwas ernsthaftere Auseinandersetzung mit dem Thema findet sich in diesem Whitepaper.