FACEBYE, Episode II: Die Cloud, das unbekannte Wesen


FACEBYE ist eine Beitragsserie rund um das Thema Alternativen zu Datenkraken und Monopolen im Internet. Die Themen-Übersichtsseite findet ihr hier.


"Es ist da oben, da oben in der Cloud. [...] Niemand versteht die Cloud, sie ist ein scheiß Mysterium!"
- Aus dem Film Sex Tape

Genau das ist das Problem - die Cloud ist für viele Menschen ein Mysterium, das sie nicht verstehen. Was ihr Einsatz für Vor- und Nachteile hat, wie man mit ihr am besten umgeht.

Die Cloud als technisches Konstrukt ist nicht böse - im Gegenteil.

Was ist denn eigentlich eine "Cloud"?

Es gibt ein Dokument vom NIST (National Institute of Standards and Technology) aus dem Jahre 2011, das eine plausible, angenehm überschaubare Definition der Spielarten des Cloud Computings abliefert.

Ich will aber stärker eingrenzen: Was Firmen im Bereich des Cloud Computings so treiben, ist ein Thema für ein anderes Mal. In den FACEBYE-Episoden geht es mir primär um Privatpersonen und personenbezogene Daten.

Es gibt viele große Unternehmen aus dem Bereich der IT, die Cloud Services für Privatpersonen anbieten. Dazu gehören global operierende Giganten wie Google, Microsoft, Apple, Amazon ebenso wie eher regional beschränkte Anbieter, zum Beispiel Internet-Provider (Telekom: Magenta Cloud, 1&1 Online-Speicher, Vodafone Backup u.a.).

Gemeinsam ist ihnen, dass die jeweiligen Cloud-Angebote entweder sehr wenig oder gar nichts kosten. Zumindest kein Geld.

Und was stellt man mit so einer Cloud an? Im privaten Kontext meistens sowas wie

Warum ist die Cloud cool?

Ein externer Betreiber übernimmt die dauerhafte Pflege und Wartung von Servern, Netzwerk-Anbindung und Basis-Software. Als Kunde nutzt man die gewünschten Funktionen, muss sich aber nicht um deren Bereitstellung kümmern. Spart Zeit und Nerven, bei guten Angeboten möglicherweise auch Geld.

Nehmen wir mal GMail als Beispiel: Da wird einem kostenlos von Google ein E-Mail-Service angeboten. Um Infrastruktur und Software im Hintergrund kümmert sich Google, der Nutzer richtet nur noch sein Postfach auf verschiedenen Endgeräten ein. Den ganzen komplizierten Kram im Hintergrund, nämlich einen E-Mail-Server einzurichten und zu betreiben, Anti-Spam-Lösungen zu integrieren, Backups vorzuhalten, Frickelei mit SPF, DKIM, DMARC usw. muss der User nicht übernehmen. Die meisten hätten ohnehin nicht genug Fachwissen, um sowas durchzuziehen.

Wenn jedoch der Betreiber einer Cloud-Lösung "böse" ist, wirds kompliziert. Bleiben wir weiter beim Beispiel GMail. Dass dieser Service von Google kostenlos angeboten wird, hat einen einfachen Grund: Die Nutzer erklären sich einverstanden (oft ohne es zu wissen, weil sie keine AGBs durchlesen), Google die Daten aus E-Mails zur Verfügung zu stellen. Google macht diese Daten zu Geld, denn der Laden profitiert von personenbezogenen Daten der User. Google legt Profile von Usern an und je mehr Daten diese Profile beinhalten, desto genauer kann Google die User mit interessenbezogener Werbung zupflastern. Dies wiederum hat eine steigende Wahrscheinlichkeit zur Folge, dass User auf die Werbung anspringen bzw. diese anklicken. Denn wenn sie das tun, erhält Google Geld von Werbetreibenden.

Langer Rede kurzer Sinn: Wenn ihr "kostenlose" Google Dienste nutzt, bezahlt ihr nicht mit Geld, aber mit euren persönlichen Daten. Gilt auch für web.de, GMX, Outlook.com von Microsoft, für Yahoo, und etliche andere Anbieter von kostenlosen Services dieser Art.

Unbezahlt ist meist nicht kostenlos

Generell sollte man also bei "kostenlosen" E-Mail-Services skeptisch sein. Denn die Unternehmen, die sowas anbieten, machen das in aller Regel nicht aus Menschenfreundlichkeit, sondern weil sie Kohle scheffeln wollen. Und wenn ihr nicht mit Geld zahlt, dann alternativ mit Daten und eurer Lebenszeit.

Gilt genauso für andere Cloud-Leistungen wie Speicherplatz, Online-Kalender, Online-Office (wie Google Docs) etc. - überall kann man Daten von euch rauslutschen und diese zu Geld machen.

Ein besorgter Bürger mit zitternder Stimme:

Ohgottogott! Das ist ja furchtbar! Ich nutze das Google Emailding von Beginn an (2004) - die haben alle meine Daten der letzten 15 Jahre... was mache ich denn jetzt?

Naja, wie wäre es denn mal damit, anzufangen aufzuhören? Ohoh, da kommt mal wieder der/die Hockey-Dad/Mum im Hybrid-SUV um die Ecke gesurrt und mault aus dem Fenster:

Also, jetzt ist ja eh schon wurscht. Die wissen ja eh alles über dich. Ich nutze das weiter, ich bin doch nicht blöd, jetzt alle meine Gigabytefotos woanders hinzuschieben, ich hab weißgott Besseres zu tun. Ich bin zufrieden mit Gmail, das funktioniert immer. Und ich hab nix zu verbergen, sollen sie halt mitlesen.

Da kann ich, wie immer bei den HockeyDads/-Mums, nicht helfen. Manche sind zu weit fortgeschritten in ihrer Datenschutz-Demenz, da ist jede Mühe vergebens. Alle anderen lesen bitte weiter.

Was für Cloud Services sind denn im Alltag so praktisch?

Ich nehme mal meine Familie als Referenz, was die Digitalbedürfnisse so angeht. Ich glaube, wir sind da ziemlich durchschnittlich.

So, und das alles will ich haben, ohne eine Datenkrake wie Google oder Microsoft nutzen zu müssen. Und natürlich soll es möglichst wenig Geld kosten. Und ich habe von Tuten und Blasen keine Ahnung, also hör mir bloß auf mit irgendwelche Websites bauen, installieren oder so einen Kram. Geht das?

Ja, das geht. Ich nehme wieder mein Setup als Beispiel, weil ich damit sehr zufrieden bin. Ich verlinke übrigens konkret die jeweiligen Angebote des Hosting-Dienstleisters, der mir taugt und den ich selbst nutze, nämlich Hetzner. Es gibt nach meiner Erfahrung derzeit keinen anderen großen Hoster in Deutschland, der vergleichbar professionell und vertrauenswürdig ist. Früher mochte ich mal Domainfactory, aber nach deren Übernahme durch HostEurope wars vorbei - aus verschiedenen Gründen, die zu berichten den Rahmen hier sprengen würde. Ich bekomme im Übrigen keine Provision von Hetzner. Und wenn mir was taugt, dann will ich das auch mal lobend erwähnen.

Für nichts von dem oben Genannten benötigt man besondere Kenntnisse hinsichtlich Computernutzung oder Webhosting oder Administration.

Keine der oben genannten Lösungen ist schlechter oder weniger komfortabel als die der großen Datenkraken.

Einziger Nachteil: Es kostet 10-15 Euro pro Monat, inklusive einer eigenen Domain für die Familie. Versus "0,00" im Falle von Google. Aber die paar Kröten sollten einem der Schutz der privaten Daten schon wert sein, finde ich.

Problem Instant Messenger

Ein Problem gibt es aber noch: Der Instant Messenger. Und zwar wegen der Verbreitung. Hier ist, wie ich schon im ersten Beitrag der Serie erwähnte, Überzeugungsarbeit nötig. WhatsApp geben die meisten nicht freiwillig auf. Man muss sie dazu zwingen. Das funktioniert aber nur bei Leuten, die einem so nah sind, dass sie unbedingt mit euch kommunizieren möchten und dafür auch die Installation einer weiteren App, halt Signal oder Threema, auf ihrem Smartphone in Kauf nehmen. Es stellt sich natürlich die Frage, ob mann mit allen anderen, die sich um euretwillen nicht umstellen möchten, überhaupt noch kommunizieren muss.

Ich gebe reumütig zu: Ich habe WhatsApp auch noch auf dem Handy. Es gibt Konstellationen (für mich), die dazu führen, dass sich das nicht vermeiden lässt. Aber ich bemühe mich jeden Tag aufs Neue, Konversionen herbeizuführen. Und manchmal klappt das auch. Mühsam ernährt sich das Datenschutzhörnchen.

Einkaufslisten-Sharing - so simpel wie cool

Wir nutzen Omni Notes, eine Open Source App. Nicht nur für Einkaufslisten, aber dafür taugt die App auch sehr gut. Erhältlich in den einschlägigen Appstores (die ich hier aus Prinzip nicht verlinke), gottseidank auch in F-Droid.

Ich fand Google Keep früher ziemlich cool, von der Einfachheit und Funktionsweise her. Omni Notes bildet die Features teilweise nach. Insbesondere liebe ich die Checklisten/Einkaufslisten-Funktion.

Die Synchronisation zwischen zwei Handys ist denkbar einfach: Eine/r erstellt die Liste und nutzt dann die Share-Funktion, um im Instant-Messenger der Wahl die Liste in Textform (Markup) an jemand anders zu verschicken. Der Empfänger kopiert dann den erhaltenen Text einfach in eine neue Liste in Omni Notes, schließt diese neue Liste kurz, öffnet sie dann wieder und - tada - Liste wurde komplett importiert, formatiert, inkl. Checkboxen.

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